
Was bedeutet Kunstausbildung heute, in einem Dschungel konkurrierender BA-, MA- und PhD-Programme, in einem Klima der Restauration traditioneller Wertvorstellungen und angesichts sprachlos machender Anfeindungen, die darauf zielen, alles in Frage zu stellen, was für eine kritische, gesellschaftlich engagierte kulturelle Praxis essentiell ist?

Wo steht die Kunstausbildung an Kunstschulen heute, mehr als ein Vierteljahrhundert nach der sogenannten Bologna-Reform? Die Stichworte, mit denen ein Umbau des Bildungssystems und damit auch zahlreicher Kunsthochschulen ab 1999 im sogenannten Bologna-Prozess europaweit betrieben wurde, waren Vergleichbarkeit, Modularisierung und Kompatibilität der akademischen Standards. Teil einer Hidden Agenda des Bologna-Prozesses, seinerzeit heftig kritisiert, war aber auch die Schaffung eines Bildungsmarktes für eine stets wachsende Kundschaft von sich selbstverantwortlich und lebenslang den Bedürfnissen von Wirtschaft anpassenden Selbstunternehmer*innen. Auf der Strecke blieben dabei Modelle einer umfassenden Bildung, Universitäten, begriffen als Freiräume für ausschweifendes Nachdenken, selbstbestimmtes Lernen und Orte der Reflexion von Gesellschaft und Wissen; Hochschulen, konzipiert als Labore des Gemeinschaftlichen und als Sphären der Fürsorge und Solidarität, oder aus der Perspektive der Studierenden: das Studium als safe space und Zeit der Selbstfindung. Und heute müsssen wir uns fragen, ob der Umbau des Bildungssystems vielleicht schon so weit fortgeschritten ist, dass gesellschaftliche Grundlagen in Frage gestellt sind. Durchsichtig gewordene Institutionen sind schutzlos totalitären Strömungen ausgeliefert, scheinbar widerständige Nischen werden schnell ausgemacht und angegriffen. Und dabei geraten Kunst- und Gestaltungsausbildungen besonders in den Fokus, weil die hier vermittelten Kompetenzen Fragen der Repräsentation (von Macht) betreffen, weil hier Vorstellungen von kultureller Identität kritisch kontextualisiert und transformiert werden können und Formen des Zusammenlebens zur Disposition stehen.
Was also bedeutet Kunstausbildung heute, im Dschungel konkurrierender BA-, MA- und PhD-Programme, in einem Klima der Restauration traditioneller Wertvorstellungen und angesichts der sprachlos machenden Anfeindungen von rechts, die darauf zielen, alles in Frage zu stellen, was für eine gesellschaftlich engagierte kulturelle Praxis essentiell ist.
Link zum Programm und zu weiteren Informationen: https://master-kunst-luzern.ch/veranstaltungen/master-dialog/